Tuesday, November 18. 2008
Heute bzw. gestern Abend kamen mal wieder ein paar Artikel zum geplanten E-Mail-Dienst des Innenministeriums namens »DE-Mail« in der Onlinepresse.
Kurz gefasst denke ich, dass dieses Projekt das Potenzial hat, sich in eine Reihe unrühmlicher Geldgräber einzugliedern.
Besonders gefallen hat mir der Heise-Artikel dazu. Ich möchte mal etwas pedantisch auf ein paar Abschnitten herumreiten:
Schallbruch teilte auch die Kritik aus dem Bereich der kommunalen Anwender des OSCI-Standards (Online Services Computer Interface) nicht, wonach auf dieser Basis bereits Möglichkeiten zum verschlüsselten E-Mail- und Dokumentenversand über gängige Mail-Adressen bestünden. Dafür bräuchte es bei allen Kommunikationspartnern komplizierte Verschlüsselungsarchitekturen. Beide Seiten müssten auf ihrem eigenen PC einen OSCI-Client installieren, wobei keiner für die Systemsicherheit bürgen könne.
Der neue Dient wird also »sicher«. Absolut sicher. Schließlich verbürgt sich da jemand dafür. Ich frage mich nur: Wer? Wenn ich den Dienst nutze und ein Sicherheits-Problem auftritt. Wer zahlt mir dann eine Entschädigung? Der Bund? Die beteiligten Firmen? Der Vorstandsvorsitzende der verantwortlichen Firma? Oder ist diese Art des Verbürgens vielleicht eher sowas wie: »Wenn es ein Problem gibt, werden wir aber ganz energisch mit dem Zeigefinger fuchteln bis jemand sagt, dass wir das in Zukunft besser machen«?
Zugleich verwies der IT-Direktor auf hohe Kostensenkungseffekte. Wenn allein acht Prozent des derzeitigen Postverkehrs über das neue Verfahren abgewickelt würden, könnten die Absender eine Milliarde Euro Porto sparen. Dieser Summe stünden Aufwendungen für den Aufbau der Kommunikationsinfrastrukturen gegenüber.
Okay, auch wenn wir mal annehmen, dass mit dieser vorsichtigen Formulierung nicht ausgeschlossen werden soll, dass die Milliarde sofort wieder in die Kommunikationsinfrastruktur gepumpt wird, dann verliert die Post also eine Milliarde (in einem nicht genannten Zeitraum, möglicherweise pro Jahr). Diese Milliarde wird dann also als Finanzhilfe wieder investiert weil es dem Konzern dann plötzlich schlecht geht wenn keiner mehr Briefe verschickt. Ergo: Milchmädchenrechnung.
Aber das sind ja Details. Richtig schlecht wird mir dann bei sowas:
Die ganzen Sicherheitsmechanismen sollten beim Provider im Hintergrund ablaufen, um die Nutzung so einfach wie möglich zu machen. So sei dort etwa eine Kontrolle auf Schadsoftware und eine Versandberechtigung, die Integritätssicherung über eine Prüfsumme, die Verschlüsselung über S/MIME und eine Ergänzung von Metadaten durchzuführen.
Bitte nochmal langsam lesen.
Ja, die begründen ihre Sicherheit wirklich damit, dass beim Provider die Daten verschlüsselt werden. Damit der seine Daten dort eintragen kann wird dann vermutlich eine normale end-to-end-Verschlüsellung nicht vorgesehen werden oder wie? Zudem: Schadsoftware? Hieß es nicht eben noch, der Dienst sei spamfrei? Ist er vielleicht nur ein bisschen spamfrei?
Thursday, September 18. 2008
Ich habe dazu folgende Quellen in den letzten Tagen zufällig gefunden...
Auf Heise.de einen Artikel, in dem die Speicherdauer bei YouTube thematisiert wird:
YouTube lösche üblicherweise nach sieben Tagen die IP-Adressen der Rechner, von denen Dateien in das Internetportal eingestellt werden.
Dazu ein weiterer Heise-Artikel, der die IP-Adressen-Speicherung bei der Suchmaschine von Google behandelt:
Der Suchmaschinenbetreiber Google will die Haltedauer für die IP-Adresse bei Suchanfragen bis Ende September von bisher 18 auf künftig neun Monate reduzieren, danach werden die Anfragen anonymisiert.
Besonders nett ist natürlich die Begründung dieser neun Monate Speicherung in eben letzterem Artikel:
Laut dem Datenschutzbeauftragten des Konzerns, Peter Fleischer, sucht Google die Balance zwischen dem Datenschutz auf der einen Seite und den Interessen von Google auf der anderen. Letztere bestehen darin, die eigenen Dienste kontinuierlich zu verbessern und gegen Missbrauch und Angriffe zu schützen [...] (Hervorhebung von mir)
Missbrauch und Angriffe sind bei jedem Server und jedem öffentlich zugänglichen Angebot natürlich immer eine Möglichkeit. Daher habe ich an der einwöchigen Speicherung von IP-Adressen bei YouTube noch nichtmal grundlegend etwas auszusetzen. Ich finde es nicht gut, aber es tanzt nicht aus der Reihe anderer ("normaler") Websites.
Anders dagegen die Speicherung bei der Suchmaschine. Eine Internet-Suche hat ein für mich schwer erkennbares Missbrauchspotenzial. Auf YouTube kann man eigene Mediendaten hochladen, dabei sowohl bzgl. Urheberrecht als auch bzgl. Beleidigungen und ähnlichem unschöne Dinge tun. Durch eine Internet-Suche bei Google kann man... Nun, mir fällt jetzt nicht direkt etwas ein. Die Features der Suchmaschine halten sich derart in Grenzen, dass ich XSS (die sich aber durch IP-Adressen gar nicht wirklich verfolgen lassen) und vergleichbare Sicherheitslücken sicher ausschließen kann. Ebenso SQL-Injections. Ein einziges Eingabefeld lässt sich mit vertretbarem Aufwand gegen alle bekannten Sicherheitsprobleme absichern. Zumindest ungleich einfacher als die Features von YouTube.
Warum also begründet Google die Protokollierung von Suchanfragen damit, dass man auch ein Dreivierteljahr später noch wissen muss wer was gesucht hat um "Missbrauch und Angriffe" zu erkennen?
Im Gegenzug frage ich mich, warum ist dies bei YouTube anders? Warum ist das Hochladen und Veröffentlichen bei YouTube kein so großes Sicherheitsrisiko wie das Stellen einer Suchanfrage bei Google?
Ich finde das Schizophren und die Begründung mit der Sicherheit ist Heuchelei.
Bei uns wird normalerweise keine IP-Adresse gespeichert. Kunden können auf Wunsch Logfiles über maximal 10 Tage erzeugen. Wenn nicht explizit vom Betreiber aktiviert, dann auch das ohne IP-Adresse.
Saturday, October 20. 2007
Heute kam in der Murrhardter Zeitung (und vermutlich auch in der Backnanger und Winnender Zeitung sowie in den Stuttgarter Nachrichten) dieser Artikel (alles unwichtige ausgegraut):
Und da sind mir als allererstes drei Dinge ins Auge gesprungen: Die Überschrift, das Bild und die Bildunterschrift. Von diesen dreien passen beliebige Kombinationen von zwei Dingen schon nicht mehr zusammen. Hier kurz was da zu sehen ist:
- Überschrift
- »Jugendliche vor Pornos im Internet schützen«
- Bild
- Ich kenn mich damit ja nicht so aus, aber es handelt sich defnitiv nicht um einen PC sondern um einen C64 oder einen Amiga mit zeitgeschichtlich passendem Joystick, Monitor und passender Maus (also vermutlich Amiga). Zu deutsch: Die Kinder auf dem Bild sind vermutlich heute erwachsen. :) Der Inhalt des Monitors ist deutlich sichtbar ein Jump'n'run Spiel. Pr0n sieht anders aus.
- Bildunterschrift
- »Leichte Verführung im Internet: Jugendliche beim Surfen«
Ich glaube weitere Kommentare erübrigen sich.
Monday, July 9. 2007
Nach Lektüre dieses SPIEGEL-Artikels...
Schäuble will die staatlichen Befugnisse gegen Terror- Sympathisanten deutlich ausweiten. "Man könnte beispielsweise einen Straftatbestand der Verschwörung einführen wie in Amerika", sagte er dem SPIEGEL. Für Gefährder brachte er ein Kommunikationsverbot im Internet oder mit dem Handy ins Spiel. Schäuble erinnerte zudem daran, dass es in Extremfällen wie der gezielten Tötung von Terroristen eine ungeklärte Rechtslage in Deutschland gebe.
...war ich doch im ersten Moment etwas beunruhigt.
Aber mit etwas Nachdenken kommt man doch recht schnell dahinter, dass dies unabdingbare Forderungen sind: - Die Verschwörung ist doch irgendwie mit einer Kombination aus Erpressung, Nötigung, "bildung einer terroristischen Vereinigung" ganz gut abgedeckt, oder? Wie, da sind die Regeln zu eng? Man kann nicht mal eben jemanden verknacken weil er daran DENKT, etwas böses zu planen? Hm, Mist, das ist dann natürlich ein Argument.
- Ein Kommunikationsverbot für "Gefährder". Ist das nicht durch eine normale U-Haft ganz gut abgedeckt? Was sind eigentlich "Gefährder"? Ist das was anderes als ein dringend Tatverdächtiger? Ja? Jemand, der nichts getan hat und bei dem man grade versucht, ihm was anzuhängen? Ja, stimmt, den muss man natürlich dann mit einem neuen Gesetz hinter Gitter bringen. Oh, Pardon, er soll ja nichts von Mitbekommen. Also ihm einfach Kommunikationsmittel sperren. Stimmt, gute Idee.
- Nun, mit der gezielten Tötung von Terror
verdächtigenisten bewegt man sich natürlich auf dünnem rechtsstaatlichem Eis. Also wenn ich das richtig überblicke, dürfen in Deutschland von der Polizei Straftäter getötet werden, wenn das die einzige Möglichkeit ist, die Tötung von Opfern abzuwenden ("Notwehr"). Naja, ich weiß, eigentlich sollte man ja erstmal ins Bein schießen oder sowas. Aber hey, hier geht es ja um Leute, die nicht nur ein paar harmlose Opfer bedrohen sondern den ganzen Staat oder eventuell sogar den Innenminister. Das ist natürlich ein Sonderfall. Alle erschießen. Die, Ihre Familien und alle die so aussehen als könnten ihre Freunde mit solchen Leuten sympathisieren.
Ach, eigentlich ist das doch alles gar nicht schlimm. Kann man ruhig machen.
Nur eine Bitte, Herr Innenminister: Wenn's geht nicht in dem Land in dem ich wohne. Und eigentlich nicht auf dem Planeten auf dem ich wohne. Aber ansonsten: Machen Sie ruhig, dient ja alles einem guten Zweck.
War es nicht mal so, dass Leute die den Rechtsstaat öffentlich in Frage gestellt haben von der Presse zum Rücktritt gebracht wurden? Also ich finde die Planung der Einführung der Todesstrafe wäre eigentlich Grund genug, so jemanden aus der Regierung dieses Landes zu verbannen.
Tuesday, May 29. 2007
Ich teile im Großen und Ganzen Hannos Meinung.
Der erste Teil war gut, der zweite annehmbar aber der dritte hat mir gar nicht gefallen.
Dafür war ich gestern das erste Mal im Murrhardter Kino seit dem Umzug ins alte Soehnle-Gebäude. Und ich hab meine 2-3 Jahre alten Kino-Gutscheine wieder ausgegraben. :)
Saturday, April 7. 2007
Ich hatte vor einiger Zeit den Tipp erhalten, dass man mit »Disconnected IMAP« (oder auch »Cached-IMAP« genannt) bei KMail das Verhalten hin bekommt, das ich so lange gesucht habe: IMAP aber ein Cache, der mir erlaubt, zumindest die neuesten X Mails jederzeit schnell und ohne Netzverbindung verfügbar zu haben.
Gehört, getan, habe ich mein IMAP-Konto erstmal mit einem Rotations-script ausgestattet (alle Mails älter als 1 Monat wandert in eine andere Mailbox) und das was noch da geblieben ist dann per »Disconnected IMAP« eingerichtet. Erst einmal klang das alles recht gut, die Mailbox war extrem schnell da, man kann ständig jede Mailbox öffnen, auch wenn grade eine andere abgeholt wird.
Die erste Ernüchterung kam sehr schnell: Das Abrufen der Mailbox dauerte etwa 20 Mal so lange wie vorher. Jeder Ordner für sich dauerte fast so lange wie sonst der komplette Baum. Das liegt daran, dass KMail nicht nur nach neuen Mails schaut sondern auch lokale Änderungen (gelesen, ...) hochladen muss.
Ich habe als automatisches, periodisches Abholen eingestellt, sodass ich immer alle Mails sehe. Da man auch während des Abholens andere Ordner schon lesen kann, ist das kein Problem.
Was aber etwas störend war: KMail bzw. der ganze Rechner geriet etwas in Stocken, wenn der IMAP-Abruf-Vorgang lief. Erst fiel das gar nicht sonderlich auf, dann aber immer öfter (man erkennt irgendwann den Zusammenhang ;) ). Als ich bemerkt habe, dass man während des Abrufens keine Mail mehr vernünftig verfassen kann (das Fenster war oft für ~10 Sekunden reaktionslos), habe ich den Entschluss gefasst, wieder zurück auf normales IMAP zu stellen.
Da meine Mailbox jetzt sowieso relativ klein ist, geht auch da das Abrufen sehr flott.
Fazit: Disconnected-IMAP ist eine schöne Idee, funktioniert auch prinzipiell ganz gut, muss aber noch deutlich besser auf Nebenläufigkeit optimiert werden.
Monday, November 27. 2006
Obige Aussage sei zur Zeit die Standard-Antwort, wenn man jemanden nach seinen Kontaktdaten fragt, sagen meine Anfis. :)
Dabei habe ich noch nicht mal was dagegen, wenn man seine Nummern nicht mehr auswendig weiß (auch wenn ich meine schon lange nicht mehr genutzte ICQ-Nummer immer noch weiß) sondern irgendwo online abrufbar macht.
Dieser Artikel soll ja noch nicht mal darauf hinaus, dass ICQ ein dreckiges proprietäres Protokoll ist, das erst kürzlich wieder einige freie Clients rausgeworfen hat. Nein, was mich hier stutzig macht ist die Tatsache, dass hier ein gigantisches Netzwerk mit absoluter Selbstverständlichkeit benutzt wird.
Gleich mal die provokante Frage: Sind das bei StudiVZ eigentlich die selben Studenten, die sich vor ein paar Jahren massivst gegen die angekündigte Rasterfahndung gestellt haben?
Die meisten wissen, dass ich alles Web-2.0-alles-muss-mit-allem-verlinkt-sein-Gedöns erstmal extrem kritisch sehe. Blogs und Konsorten sind dezentral gespeichert und damit völlig in Ordnung. Zentralisierte Daten-Sammler wie flickr und del.icio.us bringen bei mir große Alarmglocken in Stellung, kommen aber nahezu ohne personenbezogene Daten aus und sind daher zu legitimieren.
OpenBC / XING ist mir da schon eher ein Dorn im Auge. Ja, ich habe mich dort angemeldet, weil ich davon ausgehe, dass ich darüber eventuell ernsthaft Kontakte knüpfen kann. Es ist auch erstaunlich, wie dieses System es schafft, eine Verbindung zu jedem anderen user über max. 5 Schritte herzustellen. Immer wenn ich irgendwelche Daten dort eingebe, muss ich mich zwingen, das einfach hinzunehmen und denke dann immer an Dinge wie "Es wird angezeigt, dass in den letzten Minuten 5 Leute meine Firmen-Website aufgerufen haben. Da könnte schon auch mal eine Kunde werden." Wohl ist mir aber nicht, wenn ich weiß, dass immer zentral gespeichert wird wann ich welche Seite aufrufe, wann ich nach was suche und wann ich welchen Forumseintrag lese.
StudiVZ ist ebenfalls ein solches "Wir sind alle eine Familie"-Netzwerk, das eigentlich keine wirkliche Daseinsberechtigung hat. Was braucht ein Student? Eine Möglichkeit, an Tipps zu speziellen Aufgaben zu kommen und eine Plattform um Übungsgruppenpartner zu finden. Lassen wir mal die Offline-Variante weg, denn das können Informatiker nicht. Dennoch würde ich hier nie auf die Idee kommen, meinen Übungsgruppenpartner deutschlandweit auszusuchen. Nein, ich sollte an der Uni oder besser gesagt im selben Fachbereich oder gar selben Jahrgang bleiben. IMHO. Interdiszipinären Austausch und Meinungsvielfalt auf bundesweiter ebene regeln Web-Foren.
Die Fachschaft betreibt einen Server mit zumindest mal eine Mailingliste. Ein Forum wäre schnell eingerichtet, gibt es für die Info-I auch schon.
Liebe Studenten: Selbst wenn die StudiVZ-Gründer nur halb so fahrlässig mit den Daten umgehen wie man angesichts der aktuellen Pressemeldungen den Anschein bekommt, versteh ich nicht, wie man dort allen möglichen Geraffel eintragen kann.
Man vertraut also einer zwielichtigen Firma, die definitiv mit Marketing-Daten (wenn auch ggf nur anonyme) Geld scheffelt, mehr als dem Staat? Nein, ich mag Rasterfahndung auch nicht leiden. Aber wenn schon sowas, dann bitte staatlich kontrolliert.
Aber gut, wir haben informationelle Selbstbestimmung, jeder kann überall eintragen was er will. Besser wär's trotzdem, wenn die Benutzer dann nicht immer und überall voraussetzen würden, dass jeder andere das auch nutzt.
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